8. April 2018

Der Gutenberg-Editor von WordPress und was sich mit ihm ändern soll

Mit dem nächsten großen Update des Content Management Systems WordPress auf die Version 5.0 steht eine bedeutende Neuerung an. Der Gutenberg-Editor (beziehungsweise das ihm zugrunde liegende, gleichnamige Projekt) wird das ursprünglich als Blog-Software erfolgreiche WordPress recht deutlich in Richtung eines „echten“ CMS verändern. Für viele eine große Chance, für andere eine hohe Hürde – über Gutenberg und WordPress wurde und wird viel diskutiert, obwohl letztlich auch hier mal wieder gilt: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Zwar wird WordPress in Zukunft tatsächlich aller Voraussicht nach ziemlich umgekrempelt werden, allerdings nur schrittweise und ohne seinen Anwendern die Pistole auf die Brust zu setzen. Im ersten Schritt steht vor allem der Beitrags-Editor im Fokus – und deshalb auch im Mittelpunkt dieses Artikels.

 

Was ist ein Editor eigentlich?

Der WYSIWYG-Editor „TinyMCE“ ist aktuell der Standard-Editor von WordPress.

Als Editor wird grob gesagt die Eingabemaske im Backend bezeichnet, über die man als Benutzer die Inhalte der Website hinterlegt. In WordPress sind das vor allem die Texte und Bilder in Blogbeiträgen oder auf statischen Seiten. Für diese Inhalte wird bisher der Editor namens „TinyMCE“ (Tiny Moxiecode Content Editor) genutzt, der wiederrum ein WYSIWYG-Editor ist („What You See Is What You Get“). Dadurch ist die Eingabe von Inhalten ohne HTML-Kenntnisse möglich, quasi so wie in einem Textverarbeitungsprogramm wie Word oder dem OpenOffice Writer. Der Anwender sieht bei der Eingabe also auch direkt, wie die Inhalte später für den Leser aussehen.

 

Worin unterscheidet sich Gutenberg vom TinyMCE?

Der Gutenberg-Editor besitzt nicht nur ein einzelnes Feld, sondern setzt sich aus diversen Inhalts-Blöcken zusammen. (Screenshot: Frontenberg)

Der bisher genutzte TinyMCE besteht standardmäßig aus einem einzigen Eingabefeld, in dem der komplette Beitrag bearbeitet wird. Das ist beim Gutenberg-Editor anders, denn hier wird ein Beitrag in einzelne Blöcke unterteilt. So kann jede Überschrift, jeder Absatz und jedes Bild im Prinzip einen eigenen, kleinen Editor bekommen. Das sorgt für mehr Übersicht, da man nicht mehr durch den kompletten Text scrollen muss und – sinnvoll eingefügte Zwischenüberschriften vorausgesetzt – sogar ein kleines Inhaltsverzeichnis zur Navigation nutzen kann. Zudem ist die nachträgliche Bearbeitung der Beiträge flexibler und komfortabler – möchte man ein Bild verschieben, lässt sich dieser Block einfach an eine neue Stelle ziehen, ohne das Bild erst aus dem Editor auszuschneiden und an der gewünschten Stelle wieder einzufügen. Zudem kann der Block-Typ bei Bedarf nachträglich geändert werden. Wer zum Beispiel zunächst ein einzelnes Bild einfügt, kann diesen Block später in eine Galerie umwandeln und mit zusätzlichen Fotos vervollständigen. Außerdem bietet der Gutenberg-Editor eine gute rudimentäre Übersicht über die Länge und Struktur des Beitrags, was unter SEO-Gesichtspunkten immer interessant ist. Für eine tiefergehende Optimierung sollte man bei Bedarf natürlich trotzdem noch auf ein SEO-Plugin zurückgreifen.

Der Gutenberg-Editor bietet eine rudimentäre Übersicht über die Länge und Struktur des Beitrags. (Screenshot: Frontenberg)

Grundsätzlich ähnelt der Gutenberg-Editor in seinem Funktionsumfang daher eher einem Pagebuilder als einem Texteditor. So soll WordPress auch für unerfahrene Nutzer interessanter werden, die sonst eher auf Fertigbaukästen ausweichen würden. Grundsätzlich sind Pagebuilder aber auch in WordPress nichts neues, hier gibt es zum Beispiel mit dem Visual Composer einen oft in Premium Themes eingesetzten Vertreter dieses Editor-Typs. In anderen Content Management Systemen (beispielsweise Contao) ist ohnehin das Prinzip einzelner Blöcke für unterschiedliche Inhaltselemente der Standard (wenngleich natürlich wesentlich komplexer als in den bekannten Homepage-Baukästen). Da liegt natürlich die Schlussfolgerung auf der Hand, dass sich WordPress nun ebenfalls eher in Richtung eines „echten“ CMS entwickeln möchte und nicht mehr als reine Blog-Software dienen soll. Das ist zwar dank diverser Erweiterungsmöglichkeiten strenggenommen ohnehin schon länger nicht mehr der Fall, bekommt nun aber auch einen recht deutlichen offiziellen Anstrich. In Zukunft sind auch zusätzliche Funktionen sehr wahrscheinlich, die über die bloßen Inhalte von Beiträgen und Seiten hinausgehen und auch andere Bereiche des CMS betreffen. Für Neulinge wird es mit „TwentyEighteen“ wohl auch in absehbarer Zeit ein neues Theme geben, um alle Möglichkeiten des Gutenberg-Editors ausschöpfen zu können.

 

Was ändert sich mit dem Gutenberg-Editor für bereits aktive WordPress-Nutzer?

Zunächst einmal nichts, denn noch ist der TinyMCE das Bordmittel der Wahl von WordPress. Lange wird Gutenberg aber nicht mehr auf sich warten lassen und ab Version 5.0 die Editor-Aufgabe übernehmen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass man ihn auch einsetzen muss. Wer sich unsicher ist, kann aktuell testweise den Gutenberg-Editor als zusätzliches Plugin in einer Entwicklungsumgebung einsetzen oder einfach mal online unter frontenberg.tomjn.com ausprobieren. Falls es dann doch lieber das gewohnte Umfeld sein soll, lässt sich das über Plugins wie zum Beispiel „Classic Editor“ wiederherstellen und man kann den TinyMCE weiterhin nutzen. Andere werden je nach Theme auch einfach wie gewohnt auf den mitgelieferten Pagebuilder zurückgreifen, um die Darstellung ihrer Inhalte zuverlässig beibehalten zu können – oder weil sie vielleicht ganz einfach überhaupt nicht wissen, wie sie eine Alternative einsetzen können.

 

Kann es Probleme mit dem Gutenberg-Editor geben?

Wer sich vor dem Update auf WordPress 5.0 über mögliche Komplikationen mit installierten Plugins informieren will, sollte einen Blick ins Support-Forum der verwendeten Plugins werfen.

Ja, die kann es natürlich immer geben. Das muss aber nicht der Fall sein. Wie bei jedem großen Update des WordPress-Cores werden wohl auch bei Version 5.0 ein paar mehr oder weniger große Fehler an Bord sein – oft sind es Kleinigkeiten, die nur in besonderen Fällen und in Verbindung mit Themes oder Plugins auftreten. Hier lauern die relevantesten Stolperfallen: in der Kommunikation zwischen optionalen Erweiterungen und dem neuen Standard-Editor. Es ist durchaus möglich, dass bestimmte Funktionen plötzlich nicht mehr verfügbar sind und erst durch ein Update des betroffenen Plugins wieder genutzt werden können. Zwar ist der Gutenberg-Editor bereits als Plugin zu Testzwecken verfügbar, was aber nicht jeden, den es kümmern sollte, auch interessiert. Im Zweifel gilt also dasselbe wie bei jedem großen Update, das keine potenziellen Sicherheitslücken behebt: Entweder testet man seine Konfiguration in einer Entwicklungsumgebung selbst oder man wartet ab, ob Aktualisierungen von Plugins zeitnah folgen – ein sicheres Zeichen dafür, dass jemand anderes einen Fehler gefunden hat, der durch das Update behoben werden kann. Falls nach ein paar Tagen keine Updates angeboten werden, hilft oft auch ein Blick ins Support-Forum der verwendeten Plugins. Falls es Probleme gibt, werden sie vermutlich auch bei anderen Usern auftreten – in dem Fall ist es vielleicht ratsam, mit dem Update auf WordPress 5.0 zu warten …

 

Noch Fragen?

Wer übrigens noch mehr erfahren möchte, findet bei den Netzialisten einen ausführlichen Überblick von Kirsten Schelper. Auch Ellen Bauer von Elmastudio erklärt den Gutenberg-Editor (sogar inklusive Videos) gut verständlich.