20. August 2018

Der Blick hinter die Kulissen einer Website

Das Angebot an Websites ist groß und wächst jeden Tag, die Vielfalt der Designs und der Funktionsumfang ebenfalls. Logisch, dass sich die meisten Menschen erst einmal an bestehenden Seiten orientieren, um sich für die eigene Website inspirieren zu lassen. Manchmal äußert sich das dann mir gegenüber in Aufträgen wie „Können Sie das genau so machen wie auf www.xyz.com?“, aber zum Glück sind die meisten Kunden dann doch noch deutlich kreativer und individueller in ihren Wünschen. Für ganz konkrete Vorstellungen fehlen logischerweise in der Regel detaillierte Informationen zu den Inspirationsquellen und natürlich das nötige Hintergrundwissen.

Es gibt aber ein paar Tricks, mit denen man recht einfach hinter die Kulissen einer Website schauen kann und dadurch zumindest einen besseren Blick auf ihr Grundgerüst bekommt. Das beginnt bei der Frage, ob ein Content Management System verwendet wird und wenn ja, welches. Hier hilft in den meisten Fällen der Quelltext, den man normalerweise aufrufen kann, indem man der URL in der Adresszeile „view-source:“ voranstellt und Enter drückt. Anschließend wird eine Menge Text angezeigt — das ist der Quelltext der Website. Dort verrät die Zeile „<meta name=“generator““, um welche Software es sich handelt. Das könnte dann wie folgt aussehen:

<meta name="generator" content="TYPO3 4.5 CMS" />
<meta name="generator" content="Contao Open Source CMS">
<meta name="generator" content="Joomla! 1.5 - Open Source Content Management" />
<meta name="generator" content="WordPress 4.9.8" />
<meta name="generator" content="Wix.com Website Builder"/>

Letztgenannter ist übrigens kein CMS im eigentlichen Sinne, sondern ein reines Baukastensystem. Wenn die Versionsnummer auch gleich mit angezeigt wird, lässt das sogar Rückschlüsse darauf zu, wie regelmäßig die Website gewartet und wie intensiv sie gepflegt wird. Rufen Sie einfach die offizielle Website des jeweiligen CMS auf (zur Not über den Umweg einer Suchmaschine) und schon wissen Sie, ob es sich um die aktuelle Version handelt.

Typische Verzeichnis-Strukturen

Falls die jeweilige Website nicht so ganz auskunftsfreudig ist und das Generator-Snippet entfernt wurde, muss man etwas weitersuchen – hier geben oft die Pfade zu Bild- oder CSS-Dateien Hinweise auf das CMS. Für TYPO3 sprechen Verzeichnisse wie /typo3temp/ oder /fileadmin/, bei Contao stößt man meist direkt auf /system/modules/ oder /assets/. Bei Joomla tauchen Strukturen mit /media/system/js/ und /templates/system/css/ auf, bei WordPress sprechen Unterordner à la /wp-content/ und /wp-includes/ Bände. Auch Baukastensysteme ohne Generator-Hinweis sind meist schnell zu erkennen, weil auch hier Hinweise in den URLs auftauchen: Jimdo beispielsweise bindet schon sehr weit oben jimcdn.com ein.

Am häufigsten dürfte man übrigens Hinweise auf das CMS WordPress finden, da dies inzwischen die größten Marktanteile verzeichnet. Glaubt man den aktuellen Zahlen (Juli 2018) von Statista, basieren fast 60 Prozent der Websites auf Basis eines CMS auf WordPress. Betrachtet man ganz allgemein die zehn Millionen größten Websites weltweit (also auch die ohne ein Content Management System), macht WordPress immer noch rund 30 Prozent aus (vgl. t3n.de). Daher dürfte spätestens jetzt auch nachvollziehbar sein, warum ich so viel mit WordPress zu tun habe. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen übrigens Joomla und Drupal, wobei zumindest Joomla noch von seiner inzwischen schon einige Jahre zurückliegenden Vorreiterrolle zehren dürfte.

Tools statt Quelltext – vor allem für WordPress

Der hohe Marktanteil von WordPress hat zwangsläufig dafür gesorgt, dass es auch einige hilfreiche Tools gibt, um sich nicht wie oben beschrieben durch den Quelltext wühlen zu müssen. Wenn man weiß, dass man es mit einer WordPress-Website zu tun hat, kann man deren URL auch ganz einfach unter whatwpthemeisthat.com analysieren lassen. Das Tool dient vor allem dazu, das verwendete Theme herauszufinden, falls man sich für die eigene Website daran orientieren möchte. Alternativ kann man dafür auch scanwp.net oder wpthemedetector.com nutzen oder whattheme.com verwenden – letzteres funktioniert übrigens auch mit z.B. Joomla und Drupal. Neben den Informationen zum CMS und dem Themes liefern die Tools in der Regel auch Details zu den verwendeten Erweiterungen („Plugins“). Umfangreiche Installationen werden allerdings nur zu einem gewissen Teil „entschlüsselt“, sodass die Suche im Quelltext in diesen Fällen meist unerlässlich bleibt. Insbesondere, wenn die gefragte Website gar nicht auf WordPress basiert, dann äußert das Online-Tool nämlich genau diesen Verdacht und hilft auch nicht weiter. Vielleicht bringt aber ein ganz klassischer Ansatz die gewünschte Erkenntnis: Schreiben Sie dem Webmaster der Website doch einfach eine freundliche E-Mail.